Man muss sich doch von sich selbst nicht alles gefallen lassen.

Ralph Schlieper-Damrich, geb. 1961 in Duisburg, Abitur, Luftwaffe, Studium der Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialpsychologie, Hochzeit in Kufstein, Bildungs- und Kulturmanager in internationalen Konzernen und in einem Projekt der Bundesregierung, Promotion in Philosophie-Psychologie in Hamburg, Gründung eines Coachingunternehmens und einer Praxis für Psychotherapie im Landkreis Augsburg, Umzug mit Frau und viel Kunst 2018 auf die Maxstraße nach Augsburg.

Welche Kunst wurde zum Vor-Bild?
Kunst, die mir erzählt, wie etwas ist, finde ich langweilig. Die, die erzählt, wie etwas werden könnte, ist für mich dagegen spannend. Als Jugendlicher habe ich den Skandal an der Kunstakademie in Düsseldorf rund um die Person von Joseph Beuys erlebt. Seither ließ mich das Kunstverständnis dieses Mannes nicht mehr los, der für mich als Grenzsprenger die Kopfverkrustungen vieler aus der Nachkriegszeit in Sachen Kunst und Ästhetik auf pointierte und klare Weise zu lockern strebte. Beuys, der für mich immer im Blick hatte, was werden könnte, war inspiriert von Wilhelm Lehmbruck. Dem Werk dieses großen Bildhauers begegnete ich oft auf meinem Weg in die Duisburger Innenstadt. Es kann bis heute im nach ihm benannten Museum bestaunt werden. Noch mehr als er jedoch faszinierte mich Beuys und dessen kunstpädagogischer und humanistischer Ansatz – und so trug ich alles an Erspartem zusammen um ihm auf der legendären documenta 7 in Kassel im Rahmen von Gesprächen mit Studenten auch einmal persönlich zu begegnen. Seine Vorstellungen einer Kunst als Lebenskonzept des Möglichen sind das Erfreuendste, was ich aus einem Künstlermund je gehört habe.

Welche Kunst ist die eigene?
Ich mag es, mir vorzustellen, wie die Farben eines Bildes einen Menschen, wenn auch nur für einen kurzen Moment, seelisch erheitern. Darum gibt es auf meinen Bildern meist viel davon. Als Therapeut und Coach ist mir der wirkungsvolle Einsatz der Bildsprache und Metaphorik gut vertraut. Es mag sein, dass diese Energie auch unbewusst Spachtel und Pinsel führt.

Wo soll [meine] Kunst stehen oder hängen?
Am besten nicht hinter einem Schrank. Wobei, kreativ wäre das auch!

Mit wem bin ich gerne zusammen?
Am liebsten mit Menschen, die eigene Meinung nicht mit einzige Wahrheit verwechseln.

Was ist mit Menschen, die meine Kunst nicht mögen?
Die reihe ich neben mir ein, denn ich mag manche Kunst auch nicht, insbesondere die, die das Eigentum von Menschen zerstört.

Hat Kunst etwas Therapeutisches?
Klar. Für den, der sie macht, für den, der sie mag und für den, der sie hasst.

Was ist besser als Kunst?
Da gibt’s wenig – vielleicht aber ein sehr guter Ouzo beim Gespräch über Kunst.

Was ist das Ende aller Kunst?
Der Weltuntergang. Und da der noch etwas auf sich warten lässt, ist Kunst eine wunderbare Form der Überbrückung.

Und bis dahin?
Freue ich mich auf Leinwände und das Anrühren von Farben. Und auf die ein oder andere kleine Ausstellung wie gerade im Stammhaus der Firma Hoechst in Frankfurt und im Mai und November 2022 im Augsburger Zeughaus.

Kunst-Credo?
Viktor Frankl, der Begründer der sinnzentrierten Psychotherapie, dem ich in meiner täglichen Arbeit folge, rät dazu, ’sich von sich selbst nicht alles gefallen zu lassen‘. Dabei meinte er insbesondere die vielen zuweilen sehr leidvollen Spiele, die die Psyche mit einem Menschen spielt. Gewinnt eine solche Psyche die Oberhand über das Leben eines Menschen, dann erschwert das den Zugang zu dem, was das Leben eines jeden Menschen für ihn trotz allem bereithält. Inspirierende Kunst zum Beispiel. Darum, eine Empfehlung an alle: Lassen Sie sich von Ihrer Psyche nicht alles gefallen.